From dusk till dawn – die Obandodämmerung

Vormittags zwischen 10 und 11h macht Milan Safran sein erstes kleines Nickerchen. Zu diesem Zwecke hängen wir eine grüne Hängematte am Strand auf zwischen zwei Palmen. Diese wundervolle Hängematte mit integriertem Mosquitonetz haben uns Olga und Tobi ausgeliehen, die sie schon auf ihrer Reise den Amazonas entlang erprobten. Vielen Dank dafür! Gerade jetzt in der zweiten Hälfte unseres Urlaubs kommt sie täglich mehrfach zum Einsatz. Milan ist mittlerweile so an die Hängematte gewöhnt, dass wir ihn nur noch hineinlegen, einmal ordentlich Schwung geben und schon ratzt der kleine Mann seelig und süß.

So schläft er am Strand luftig im Schatten und sicher vor den Strandhunden und allerlei Kriechzeug. Einmal haben wir auf einem Ast über dem schlafenden Milan eine recht lange Schlange entdeckt. Da habe ich ihn trotz des ihn umgebenden Netzes schnell herausgeholt. Wir haben dann Einheimische gefragt, die glücklicherweise aber nur gelacht haben. Die wie ein grüner Gartenschlauch gemusterte Schlange ist vollkommen ungefährlich. Sie lebt auf Kokosnusspalmen und lässt sich dann und wann auf die darunterliegenden Badetücher der TouristInnen fallen, um dort Angst und Schrecken zu verbreiten.

Nach dem Mittagessen ziehen wir uns auf unsere schattige Terrasse zurück. Die Hitze brennt dann so, dass es in der Sonne kaum auszuhalten ist. Der Sand glüht und selbst das Wasser bringt kaum Erfrischung. Auf der Terrasse schlafen die beiden Kinder dann in zwei Hängematten nebeneinander. Das ist für David und mich immer ein günstiger Moment, um zu lesen, abwechselnd schnorcheln zu gehen oder eine Thai-Massage in offenen luftigen Hütten am Strand zu genießen.

Wenn die Sonne milder geworden ist, kehren wir zurück an den Strand und ins Meer. Wir haben das große Glück an einem echten Sonnenuntergangstrand zu wohnen. Der Blick zum Horizont geht genau nach Westen. Deshalb erleben wir dort jeden Abend gegen 18.30h einen atemberaubenden Sonnenuntergang, der das Meer und den Himmel wie Feuer erglühen lässt. Unser Abendritual: mindestens die letzte Stunde verbringen wir alle vier im Wasser, plantschen, spielen und beobachten schließlich die Sonne, bis sie wie ein blutroter Ball ins Meer fällt. Das Wasser ist warm und angenehm. Ich stille Milan mitten in den Fluten. Sonnenuntergang zu viert im Meer- das ist einer der schönsten Momente des Tages.

Abends gehen wir dann nochmal zum Essen nach nebenan zum Mae Haad Cove einem Strandrestaurant mit kleiner Bar, wo abends immer noch Musik gespielt wird. Ein Lagerfeuer brennt und einige Fackeln und Kay, der Besitzer, jongliert und tanzt mit Feuer, wie es in Thailand oft am Strand zu sehen ist. Die Kinder lieben das und Kay liebt vor allem Milan, wollte ihn schon adoptieren, den Fireboy, wie er ihn nennt, weil dem kleinen Mann so deutlich anzumerken ist, welche Faszination das Feuer auf ihn ausübt. Schon aus hundert Metern Entfernung entdeckt er die Fackeln oder noch besser die Feuertänzer, ruft aufgeregt „da, da, da“, reckt sich mit dem ganzen Körper in die Richtung und streckt seinen kleinen Zeigefinger aus.

Marlenchen hat zwar nicht besonders viel Thai gelernt bis auf ein paar höfliche Floskeln, dafür aber um so mehr Englisch. Umwerfend, wie sie selbstbewusst im Restaurant ihre Bestellung aufgibt: Excuse me. One Lemonjuice please. Kop Kun Kha!
Nachts ist es immer noch sehr heiß aber mittlerweile sind wir daran gewöhnt, brauchen nicht mal mehr den Ventilator, um Schlaf zu finden. Die Wellen rauschen gleichmäßig vor unserer Türe, ab und zu schwillt das Zirpen der Zikaden an und wechselt sich ab mit dem Quaken der Frösche aus dem Klong. Und unser großer Freund ruft seinen unvergleichlichen Lockruf „Gecko, Gecko“.

Heute nachmittag habe ich mich im sonnentrunkenen Halbschlaf in der Hängematte gefragt, was für einer Musik wohl unsere Tage hier auf Ko Pha Ngan beschreiben könnte. Nach unserer nächtlichen Karaoke-Erfahrung ist thailändische Popmusik definitiv nicht der Soundtrack für unseren Urlaub. Überraschend dämmerte mir, dass unsere Idylle hier nach einem wagnerischen Geflecht sich wiederholender und variierender Leitmotive klingt. Vor meinem inneren Ohr hat Stefan Mickisch sie in die Tasten seines Flügels hauend wortgewandt entfaltet: Das immer währende urgewaltige Rauschen des Meeres. Das Spiel der Elemente Wasser, Feuer und Erde. Ein kleiner Mini-Loge mit flammendem Haar. Die feuerrote Sonne, die das Gold tief im Wasser erglühen lässt, während die Frau mit wallenden Locken und entblößter Brust ihr Kind im Meere stillt. Der Held und Mosquitotöter, der mutig dem Chaos Ordnung abtrotzen will, und letztlich doch im Kampf mit der Entropie und den ihn umgebenden Mächten des Durcheinanders unterliegt. Ab und zu der schrille Wutschrei der kleinen Walküre, die wie eine Furie aberwitzig auf den Nerven ihrer Eltern reitet. Und immer wieder das Leitmotiv des Walhais, oder besser Gralhais – ein Sehnsuchtsmotiv, letzlich unerfüllt, das sich schlussendlich in der gewaltigen Meereskomposition auflöst.

2 Gedanken zu „From dusk till dawn – die Obandodämmerung

  1. DASS DIE THAIS KINDERNARR SIND IST BEKANNTLICH.
    FÜR NICHTS AUF DIESER WELT WÜRDE ICH DEN FIREBOY oder für mich den LEONCITO HERGEBEN. DEMNÄCHST GEHE ICH IN RENTE UND DA HABE ICH VIEL VIEL ZEIT. ALFREDO

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